Deutscher Gewerkschaftsbund

Rheinland-Pfalz-Saar

Ausbildungssituation

in Rheinland-Pfalz und im Saarland

 

Alle reden vom Fachkräftemangel…

… dabei stehen viel zu viele junge Menschen ohne Ausbildung und somit ohne Perspektiven da. In Rheinland-Pfalz hat jeder sechste junge Mensch zwischen 20 und 30 Jahren keine abgeschlossene Ausbildung und befindet sich aktuell nicht in einem Ausbildungsgang. Fachkräftemangel besteht höchstens da, wo die Ausbildungsqualität so schlecht ist, dass niemand in den Bereich einsteigen möchte.

Nur jedes fünfte Unternehmen bildet überhaupt aus. Sich vor diesem Hintergrund über einen vermeintlichen Fachkräftemangel zu beklagen, halten wir für höchst unangebracht. Die Unternehmen stehen in der Verantwortung, jungen Menschen eine Chance auf ein selbstbestimmtes Leben zu geben – hierfür ist eine Berufsausbildung die Grundvoraussetzung.

 

Ausbildungsqualität

Leider läuft es nicht in jeder Ausbildung so, wie es sollte. Für viele junge Menschen ist eher Ausbeutung statt Ausbildung Alltag. Während zwar 68,2 Prozent der Azubis in Rheinland-Pfalz „zufrieden“ oder „sehr zufrieden“ mit ihrer Ausbildung sind, klagen viele über Überstunden, ausbildungsfremde Tätigkeiten, die Nichteinhaltung des Ausbildungsplans oder gar über psychische Belastungen wie Mobbing oder sexuelle Belästigung. Detaillierte Ergebnisse liefert der DGB-Ausbildungsreport, in den jährlich die Erfahrungen einer repräsentativen Anzahl an Auszubildenden einfließen

Ausbildungsreport RLP 2017

© DGB Jugend Rheinland-Pfalz / Saarland

 

Unsere Forderungen für gute Ausbildung

  • Solidarische Ausbildungsfinanzierung: Betriebe, die nicht ausbilden, sollen in einen Fonds einzahlen, aus dem die Ausbildung in ausbildungsbereiten Betrieben gefördert wird.
  • Übernahme nach der Ausbildung: Ausbildung und Übernahme gehören für uns zusammen. Deshalb soll per Gesetz eine verbindliche Übernahme nach der Ausbildung festgeschrieben werden.
  • Verbesserung der Ausbildungsqualität: „Ausbildungsreif“ müssen auch viele Betriebe werden. Azubis dürfen nicht als billige Arbeitskräfte ausgebeutet werden. Hierfür braucht es stärkere Kontrollen der gesetzlichen Vorgaben.
  • Betriebliche Mitbestimmung ausbauen: der Ausbildungsreport zeigt jedes Jahr aufs Neue, dass Qualität und Zufriedenheit in der Ausbildung deutlich höher sind, wenn ein Betriebsrat oder eine Jugend- und Auszubildendenvertretung im Betrieb auf die Ausbildung achtet. Solche Gremien sollten deshalb gestärkt und in Betrieben, wo sie noch nicht existieren, etabliert werden.
  • Mehr Investitionen in berufsbildende Schulen: Auch eine gute Ausstattung der Berufsschulen und eine gute Qualifizierung der Lehrkräfte tragen zum Erfolg in der Ausbildung bei. Deshalb muss deutlich mehr in Bildungseinrichtungen investiert werden – gerade auch vor dem Hintergrund der Digitalisierung braucht es moderne Berufsschulen.